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Theodizee
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Theodizee [] (französisch thĂ©odicĂ©e, griechisch ΞΔοΎÎčÎșία theodikĂa von altgriechisch ΞΔÏÏ theĂłs âGottâ und ÎŽÎŻÎșη dĂkÄ âGerechtigkeitâ) heiĂt âGerechtigkeit Gottesâ oder âRechtfertigung Gottesâ. Gemeint sind verschiedene Versuche einer Antwort auf die Frage, wie das Leiden in der Welt mit der Annahme zu vereinbaren sei, dass ein (zumeist christlich-monotheistisch aufgefasster) Gott sowohl allmĂ€chtig und allwissend als auch gut sei.cite-ref-1[1] Konkret geht es um die Frage, wie ein Gott oder Christus wissentlich das Leiden unter der Voraussetzung zulassen kann, dass er doch die Omnipotenz (âAllmachtâ) und den Willen (âGĂŒteâ) besitze, das Leiden zu verhindern. Die ursprĂŒnglich französische Bezeichnung thĂ©odicĂ©e (spĂ€ter deutsch âTheodizeeâ) geht auf den deutschen Philosophen und frĂŒhen Vordenker der AufklĂ€rung Gottfried Wilhelm Leibniz zurĂŒck.cite-ref-2[2]
Der Hinweis auf das Leid als religiöse oder religionskritische Frage ist bereits in Kulturen der Antike, beispielsweise im alten China, in Indien, Iran, Sumer, Babylonien und Ăgypten zu finden. Skeptische Philosophen der griechischen Antike argumentierten, dass der Demiurg (göttlicher Schöpfer) â wenn er existiere â in der Tat Ăbel verhindern mĂŒsse, und fĂŒhrten teils weitere Argumente zugunsten eines Agnostizismus oder Atheismus an.
Besonders ausgeprĂ€gt ist das Theodizeeproblem im Monotheismus. Nach moderner Theologie behandelt schon die Geschichte von Hiob aus dem jĂŒdischen Tanach (christliches Altes Testament) die Frage, wie es sein könne, dass ein allmĂ€chtiger Gott dulde, dass guten Menschen Böses widerfahre.cite-ref-3[3]
Die klassische Frage der christlichen Theologie nach der Rechtfertigung Gottes stellte sich fĂŒr viele religiöse abendlĂ€ndische Menschen in besonderer Weise nach den Schrecken des Holocaust (vgl. auch Theologie nach Auschwitz).
Contents
âą Problem
⹠LösungsansÀtze
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Bibliographien
âą Ideengeschichte
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Problem
Eine prÀgnante, oft zitierte philosophische Formulierung der Theodizee lautet:
Entweder will Gott die Ăbel beseitigen und kann es nicht:
Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,
Oder er kann es und will es nicht:
Dann ist Gott missgĂŒnstig, was ihm fremd ist,
Oder er will es nicht und kann es nicht:
Dann ist er schwach und missgĂŒnstig zugleich, also nicht Gott,
Oder er will es und kann es, was allein fĂŒr Gott ziemt:
Woher kommen dann die Ăbel und warum nimmt er sie nicht hinweg?
Diese Argumentation wurde von dem lateinisch-afrikanischen Rhetoriklehrer und christlichen Apologeten Lactantius (ca. 250 bis nach 317) ĂŒberliefert, der sie dem Philosophen Epikur zuschrieb;cite-ref-4[4] allerdings zu Unrecht, denn sie ist nicht epikureisch, sondern ist wohl in Anlehnung an einen unbekannten skeptizistischen Philosophen formuliert worden â möglicherweise Arkesilaos oder Karneades.cite-ref-5[5] Cicero hatte mit Berufung auf Poseidonios berichtet, Epikur habe die Götter ihrer UntĂ€tigkeit wegen geleugnet.cite-ref-6[6] Der Skeptiker Sextus Empiricus hat im 2. Jahrhundert n. Chr. eine Ă€hnliche, etwas ausfĂŒhrlichere Ăberlegung entwickelt, die davon ausgeht, dass Gott fĂŒr alles sorgen mĂŒsste, wonach es kein Ăbel geben dĂŒrfte, es existiert aber Ăbel; die Konsequenz, dass demnach Gott (weil widersprĂŒchlich) nicht existiert, wird nicht expliziert, ist aber offensichtlich impliziert.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] VerkĂŒrzt findet sich das Problem auch beim spĂ€tantiken römischen Philosopen Boethius in seinem Werk Der Trost der Philosophie; dort heiĂt es: "Wenn es einen Gott gibt, woher dann das Böse (unde malum)? Woher aber das Gute, wenn es keinen Gott gibt (unde bonum)?"cite-ref-9[9]
Man kann die Theodizee als Widerspruch konstruieren, der sich aus der Annahme ergibt, dass es Ăbel in der Welt gibt und Gott existiert:
1. Gott existiert und es gibt Ăbel in der Welt.
2. Wenn Gott existiert, dann ist Gott allmÀchtig.
3. Wenn Gott allmĂ€chtig ist, dann kann Gott das Ăbel verhindern.
4. Wenn das Ăbel existiert, dann kann Gott das Ăbel nicht verhindern.
5. Wenn Gott existiert und das Ăbel existiert, dann kann Gott das Ăbel verhindern und nicht verhindern. (Widerspruch)
Ăhnliche Argumente lassen sich ebenfalls fĂŒr andere Eigenschaften Gottes konstruieren, d. h., wenn Gott allwissend ist, dann erkennt er das Ăbel, und wenn Gott allgĂŒtig ist, dann will er das Ăbel verhindern. Das Problem wird nicht wesentlich modifiziert, wenn der Bereich der relevanten Ăbel spezifisch qualifiziert wird. So rekonstruiert, muss nach ĂŒblicher Analyse mindestens eine der Aussagen im obigen Argument modifiziert oder negiert werden. Die nachfolgenden LösungsansĂ€tze tun dies auf unterschiedliche Weise.
LösungsansÀtze
Ăbel als âMangel an Gutemâ
Schon der frĂŒhe christliche Kirchenlehrer und Philosoph Augustinus und spĂ€ter mittelalterliche Denker wie der Dominikaner Thomas von Aquin begrĂŒndeten die Auffassung, das Ăbel habe kein eigenstĂ€ndiges Sein, sondern sei nur Mangel an Sein bzw. Mangel am Guten (privatio boni). Thomas nannte als Beispiel die Blindheit, die Entbehrung des Augenlichtes sei. Diese philosophische Position geht demnach von einem realen Mangel aus â im Gegensatz zu jener, die behauptet, das Leid bzw. das Ăbel sei fĂŒr den davon Betroffenen nicht real.
Diese Privationstheorie hat eine âauĂerordentliche Erfolgsgeschichteâ hinter sich, schreibt der zeitgenössische Theologe Friedrich Hermanni. Vom 2. bis in das 17. Jahrhundert hinein sei sie in fast allen philosophischen Systemen unumstritten gewesen â zwischen den KirchenvĂ€tern und den spĂ€tantiken Philosophen, zwischen Aristotelikern und Platonikern, zwischen Thomisten und Scotisten, zwischen Reformatoren wie Philipp Melanchthon und römisch-katholischen Dogmatikern wie Robert Bellarmin sei dies ein Punkt gewesen, in dem man sich einig war.
Im 17. Jahrhundert und bei einigen sogenannten Nominalisten im Universalienstreit bereits im 14. Jahrhundert wurde das Leiden hingegen als ein Seiendes â eine auf empirischen Feststellungen beruhende Tatsache â betrachtet. Daher komme dem Ăbel auch eine eigene RealitĂ€t zu. Weiterhin wurde vorgebracht, dass auch ein bloĂer Mangel an Gutem, der zu Leid fĂŒhrt, nicht mit der Allmacht und AllgĂŒte Gottes zu vereinbaren sei.
ErklĂ€rungen fĂŒr Ăbel werden in einem gröĂeren Zusammenhang gesucht
LeibnizâČ âbeste aller möglichen Weltenâ
Nach der Monadologie von Gottfried Wilhelm Leibniz gibt es eine unendliche Anzahl möglicher Welten. Von diesen hat Gott nur eine geschaffen, nĂ€mlich die vollkommenste, âdie beste aller möglichen Weltenâ. Leibniz argumentierte:
⹠Gottes unendliche Weisheit lasse ihn die beste unter allen möglichen Welten herausfinden,
âą seine unendliche GĂŒte lasse ihn diese beste Welt auswĂ€hlen,
âą und seine Allmacht lasse ihn diese beste Welt hervorbringen.
Folglich mĂŒsse die Welt, die Gott hervorgebracht hat â also die tatsĂ€chlich existierende Welt â, âdie beste aller möglichen Weltenâ sein, und jede Form des Ăbels sei letztlich notwendig und erklĂ€rbar.cite-ref-10[10]
Dagegen brachte der Philosoph Gerhard Streminger verschiedene EinwĂ€nde vor. Schon in dem Begriff âbeste Weltâ sah er eine Schwierigkeit: Dieser Begriff sei âunbestimmt, da sich bei der Endlichkeit alles Geschaffenen ĂŒber jede bestimmte Welt hinaus noch eine bessere denken lĂ€sst, so wie [âŠ] ĂŒber jede gröĂte Zahl noch eine gröĂereâ.cite-ref-streminger-11-0[11]
AuĂerdem meinte Streminger, ohne ZusatzĂŒberlegungen enthalte Leibnizâ Argumentation eine Petitio Principii: Leibniz stĂŒtze den Hauptsatz seiner Theodizee, dass die vorhandene Welt die beste aller möglichen sei, mit dem Hinweis auf die Weisheit und GĂŒte Gottes. So werde das, was in der Theodizee erst noch zu beweisen sei, nĂ€mlich die GĂŒte Gottes, bereits als erwiesen vorausgesetzt.cite-ref-streminger-11-1[11]
Der Philosoph Bertrand Russell bekundete âhöchstes Erstaunenâ darĂŒber, âdass Menschen glauben können, diese Welt mit allem, was sich darin befindet, und mit all ihren Fehlern sei das Beste, was Allmacht und Allwissenheit in Millionen von Jahren erschaffen konntenâ. Er fragte: âMeinen Sie, wenn Ihnen Allmacht und Allwissenheit und dazu Jahrmillionen gegeben wĂ€ren, um Ihre Welt zu vervollkommnen, dass Sie dann nichts Besseres als den Ku-Klux-Klan oder die Faschisten hervorbringen könnten?âcite-ref-12[12]
Eine weithin bekannte Antwort auf Leibnizâ Lösungsvorschlag ist Voltaires satirische Novelle Candide oder der Optimismus.
Kontraste und ihr Nutzen
âIm Wege des Kontrastes und der ErgĂ€nzungâ leisteten Ăbel âzum optimalen Gesamtbild dieser Welt einen unverzichtbaren Beitragâ, so beschreibt der Philosoph Norbert Hoerster einen anderen Lösungsansatz.cite-ref-13[13]
Die GegenĂŒberstellung von GegensĂ€tzen verschöne die Rede, erklĂ€rte Kirchenlehrer Augustinus, um fortzufahren: âso bewirkt die göttliche Redekunst, die statt der Worte sich der Dinge bedient, durch dieselbe GegenĂŒberstellung von GegensĂ€tzen die Schönheit des Weltalls.âcite-ref-14[14] Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz meinte: âDa aber die göttliche Weisheit ⊠das erwĂ€hlen muĂte, was den besten Zusammenklang ergab und das Laster durch diese Pforte eingetreten ist: so wĂ€re Gott nicht vollkommen gut, nicht vollkommen weise gewesen, wenn er es ausgeschlossen hĂ€tte.âcite-ref-15[15]
Zu Argumenten dieser Art meint der Philosoph Gerhard Streminger: âSelbst wenn im Ă€sthetischen Bereich hĂ€Ăliche Teile zu einem Gesamtschönen zusammengefĂŒgt werden können, so ist nicht einzusehen, daĂ ein gĂŒtiger Gott Menschen wie Figuren in einem Schachspiel behandeln sollte â und nicht wie Individuen mit eigenen Antrieben. Menschen besitzen einen Eigenwert und nicht bloĂ einen Wert in einem ĂŒbergeordneten Rahmenâ, und: âEs existiert keine Analogie zwischen schön und gut. [âŠ] die Behauptung, das Vollkommene werde durch Leid erhöht, ist spĂ€testens dann voll Lebensverachtung, wenn dieses Leid ĂŒber ein gewisses MaĂ an StĂ€rke und QuantitĂ€t hinausgeht.â Eine âchristliche Theodizeeâ, erklĂ€rt Streminger, âmuĂ um die moralische Persönlichkeit zentriert sein und nicht um die Idee der Schönheit des ganzen Universums; ihr entscheidender Grundsatz muĂ ethisch und kann nicht Ă€sthetisch sein.âcite-ref-16[16]
Eine Variante dieses Lösungsansatzes stellt Gerhard Streminger vor: âdaĂ Leid [âŠ] unerlĂ€Ălich sei zum BewuĂtwerden des Gutenâ. Streminger bestreitet das. Er weist darauf hin, dass ein allmĂ€chtiger Gott uns so geschaffen haben könnte, âdaĂ wir das Gute als solches erkennen, es also auch dann schĂ€tzen, wenn wir Schlechtes niemals erfahren haben.â Zu dem âPrinzip des Gegensatzes, demzufolge kontinuierliche Lust und Freude von niemandem als solche erlebt werden könneâ, meint Streminger, mit einem solchen Prinzip könne bestenfalls ein Ă€uĂerst geringes MaĂ an Leid erklĂ€rt werden. Selbst wenn dieses Prinzip plausibel wĂ€re, wĂŒrde als Gegensatz Langeweile genĂŒgen.cite-ref-17[17]
IrenÀische Theodizee (Soul-making)
Ăbel und Leiden könnten fĂŒr ein spirituelles Wachstum notwendig sein. Diese Ăberlegung wurde von dem Theologen und Religionsphilosophen John Hick entwickelt und nach dem Kirchenvater IrenĂ€us benannt.cite-ref-18[18] Das VerhĂ€ltnis dieser Ăberlegung zur Willensfreiheit erlĂ€utert der Theologe Armin Kreiner folgendermaĂen: Die âirenĂ€ische Theodizeeâ sei keine Alternative zum Argument der Willensfreiheit, sondern setze diese als konstitutiven Bestandteil voraus. Die Existenz der Willensfreiheit ermögliche die Genese der Sittlichkeit.cite-ref-19[19]
Ein Problem dabei ist, dass viele Ăbel nicht dazu beizutragen scheinen, wie das Leiden von jungen, unschuldigen Kindern. Andere genieĂen ein Leben in Bequemlichkeit und Luxus, in dem es buchstĂ€blich nichts gibt, was zu einer moralischen Entwicklung herausfordern wĂŒrde.cite-ref-20[20] Ein weiteres Problem entsteht bei dieser Art von Theodizee, wenn beim âspirituellen Wachstumâ auf die NĂŒtzlichkeit zur Ăberwindung von Ăbel abgestellt wird. Denn wenn es kein Ăbel gĂ€be, das ĂŒberwunden werden mĂŒsste, dann wĂŒrde eine solche FĂ€higkeit ihre NĂŒtzlichkeit verlieren. In diesem Fall wĂ€re es nötig, mehr ĂŒber den inhĂ€renten Wert von spiritueller Gesundheit zu sagen.
Umgestaltung des Menschen als Ziel Gottes
Durch die gesamte Bibel findet sich immer wieder der Hinweis, dass Gott durch Leiden Menschen in seine NĂ€he ziehen möchte: Nachdem Ijob durch das Leid gegangen ist, sagt er am Ende des Buches in Ijob 42,5 : âIch hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.â
Ăhnliche Aussagen sind zu finden in
âą Ps 78,34 : âWenn er den Tod unter sie brachte, suchten sie Gott und fragten wieder nach ihm.â
âą Röm 8,28 : âWir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.â
âą Heb 12,5â7,10-11 : â⊠habt bereits den Trost vergessen, der zu euch redet wie zu seinen Kindern (Spr 3,11â12 ): âMein Sohn, achte nicht gering die Erziehung des Herrn und verzage nicht, wenn du von ihm gestraft wirst. Denn wen der Herr lieb hat, den zĂŒchtigt er, und er schlĂ€gt jeden Sohn, den er annimmt.â Es dient zu eurer Erziehung, wenn ihr dulden mĂŒsst. Wie mit seinen Kindern geht Gott mit euch um; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht zĂŒchtigt? ⊠dieser aber tut es zu unserm Besten, damit wir an seiner Heiligkeit Anteil erlangen. Jede ZĂŒchtigung aber, wenn sie da ist, scheint uns nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geĂŒbt sind, Frieden und Gerechtigkeit.â
Es wird gewarnt, dass Menschen, denen es sehr gut geht, dazu neigen, Gott zu vergessen: âAls aber Jeschurun fett ward, wurde er ĂŒbermĂŒtig. Er ist fett und dick und feist geworden und hat den Gott verworfen, der ihn gemacht hat.â (5 Mos 32,15 )
Martin Luther schreibt zu Ps 118,5 : â⊠werde ein jeglicher auch ein Falke, der sich in solcher Not in die Höhe schwingen könne und wisse aufs erste sicher, zweifle auch nicht, dass ihm Gott solche Not nicht zum Verderben zuschickt, [âŠ], sondern dass er ihn damit zum Gebet, zum Rufen und zum Streit treiben will, damit er seinen Glauben ĂŒbe und Gott erkennen lerne, in einem andern Anblick, als er es bisher getan hat, und gewöhne sich auch, mit dem Teufel und den SĂŒnden zu kĂ€mpfen und durch Gottes Hilfe zu siegen. Sonst lernten wir nimmermehr, was Glaube, Wort, Geist, Gnade, SĂŒnde, Tod oder Teufel wĂ€re, wo es immer in Frieden und ohne Anfechtung zugehen sollte. Damit wĂŒrden wir denn Gott nimmermehr kennenlernen, wir wĂŒrden nimmermehr rechte Christen, ⊠Er will, dass du zu schwach sein sollst, solche Not zu tragen und zu ĂŒberwinden, auf dass du in ihm stark werden lernest und er in dir durch seine StĂ€rke gepriesen werde.âcite-ref-21[21]
Bei dem lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer findet sich dieselbe Haltung: âIch glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. DafĂŒr braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen [Hinweis auf Röm 8,28 ]. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben mĂŒsste alle Angst vor der Zukunft ĂŒberwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und IrrtĂŒmer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.âcite-ref-22[22]
Eine Argumentation, die den Glauben an Reinkarnation beinhaltet, schreibt dem Leid eine lĂ€uternde Funktion zu: Die göttliche Macht lĂ€sst eine menschliche Seele mehrere Leben in der Welt (vgl. Samsara) durchlaufen, so dass sie durch das von ihren eigenen falschen Entscheidungen verursachte Leid lernen kann. So zum Beispiel die AnhĂ€nger von Theosophie und Anthroposophie, Geistchristen und die Bewegung Universelles Leben, auĂerdem viele New-Age-Schulen.
Biblische ErklÀrung
Aus biblischer Sicht war der Urzustand des Menschen paradiesisch. VerfĂŒhrt von der Schlange, die spĂ€ter als der Teufel gedeutet, der wiederum als ein von Gott abgefallener Engel identifiziert wurde, habe sich der Mensch durch den SĂŒndenfall (Gen 3) von Gott abgewandt. Dadurch sei er aus dem Garten Eden verbannt und mit der ErbsĂŒnde belegt worden. Nach dieser Logik ist das Leid der Welt also als Folge des SĂŒndenfalls beziehungsweise symbolisch als Folge der Abkehr von Gott zu begreifen.
Ăbel werden im Zusammenhang einer Entwicklung gesehen
Ăbel als Durchgangsstadium
Das Ăbel ist nur ein notwendiges Durchgangsstadium; nach Hegel dient es der dialektischen Entwicklung der Geschichte, in der eine âgöttliche Vorsehungâ den âabsoluten, vernĂŒnftigen Endzweck der Weltâ verwirklicht. In Perioden des GlĂŒcks, so Hegel, fehle der Gegensatz; sie seien âleere BlĂ€tterâ in der Weltgeschichte.cite-ref-23[23] Das Ergebnis seiner Darlegungen nennt Hegel âdie wahrhafte Theodicee, die Rechtfertigung Gottes in der Geschichteâ.cite-ref-24[24]
Das Böse als Rest einer Probeschöpfung
Laut jĂŒdisch-mystischer Zohar-Auslegung des Buches Genesis hat Gott vor der Schöpfung unserer Welt andere Welten erschaffen und wegen ihrer Unvollkommenheit wieder zerstört (soweit herrscht Ăbereinstimmung mit der Interpretation des Midrasch). Die Reste dieser Welten haben sich laut Zohar als âHĂŒlsenâ (heb. QlÄ«pĆt) erhalten, die fortdauern und das Böse in der Welt verursachen (die âandere Seiteâ, heb. sitra aáž„rÄ). Da aber auch sie ursprĂŒnglich von Gott erschaffen wurden, enthalten sie noch âFunken von Heiligkeitâ (heb. nÄ«áčŁĆáčŁĆt ĆĄÄl qÉduĆĄÄ).
Gegen diese Theorie kann eingewandt werden, sie stehe im Widerspruch mit einigen Eigenschaften Gottes:
âą Allwissen: Gott hĂ€tte wissen mĂŒssen, dass die vorherigen Welten unvollkommen sind.
⹠Allmacht: Gott hÀtte die unvollkommenen Welten bereits perfekt erschaffen oder sie zumindest so weit beseitigen können, dass das Böse und Unvollkommene nicht Einzug in unsere Welt erhÀlt.
âą AllgĂŒte: Wie kann Gott seine eigenen Schöpfungen zerstören, wenn er gĂŒtig ist? Und wie kann er zulassen, dass seine unvollkommenen Werke Leid ĂŒber Unbeteiligte in unserer Welt bringen?
Diesen Widerspruch versuchte Isaac Luria durch die EinfĂŒhrung der Notwendigkeit des Tzimtzum aufzulösen. Tzimtzum, wörtlich Zusammenziehung oder RĂŒckzug, ist ein Akt göttlicher SelbstbeschrĂ€nkung des En Sof (des Unendlichen). Aufgrund des Tzimtzum und des Erscheinens des unendlichen Lichtes kommt es zum Bruch der GefĂ€Ăe (ĆĄÉvÄ«rat hakÉlÄ«m).
Die Theorie der unfertigen Schöpfung
Neutestamentliche Theologen wie der Heidelberger Klaus Berger weisen darauf hin, dass die Bibel selbst und damit der christliche Glaube nicht das Ziel habe, eine Antwort auf die Herkunft des Bösen zu geben, sondern eher darauf, dass Gott die Errettung daraus sei. Gott habe das Böse nicht geschaffen, sondern das Böse war bereits gegeben, als Gott zu wirken begann. Im Alten Testament der Bibel schaffe Gott die Welt als einen Bereich der Ordnung, der dem lebensfeindlichen Chaos abgerungen wurde. Das Chaos und die MĂ€chte, die den Menschen und das Leben bedrohen, werden nach diesem Denkansatz hier vorerst zurĂŒckgedrĂ€ngt, die ChaosmĂ€chte sind aber weiterhin anwesend und gefĂ€hrlich, sobald die Anwesenheit Gottes schwindet.
Dadurch wird die Allmacht Gottes als Prinzip in Frage gestellt, welche im biblischen Denken so nicht bekannt sei, sondern eher aus dem Einfluss des griechischen Denkens komme. Gott wĂ€re demnach dabei, in einer bösen Welt und einer unfertigen, schwachen Schöpfung sein Reich aufzubauen, aber dies könne er nicht mit einem Fingerschnippen und in einem Augenblick tun (insofern wĂ€re der Begriff von Allmacht falsch). Allmacht sollte nach dieser Anschauung vielmehr so verstanden werden, dass letzten Endes die VerheiĂung des Reiches Gottes und der vollendeten Schöpfung erfĂŒllt wird und Gott mĂ€chtiger als alle anderen MĂ€chte in Raum und Zeit ist, nicht aber, dass Gott alles und jedes jederzeit wirkt. Das Geheimnis der Zeit steht nach Berger zwischen der âschwachen Schöpfungâ und der ErfĂŒllung der VerheiĂung:
âGott ist nicht grausam, davon bin ich im Laufe meines Lebens als Neutestamentler zusehends ĂŒberzeugt. Sondern, wenn ein UnglĂŒck passiert, ist es allemal die Eigengesetzlichkeit dieser Schöpfung. Wenn jemand vor das Auto lĂ€uft und ĂŒberfahren wird, ist es kein grausamer Gott, sondern es sind die Naturgesetze. Wer so ĂŒber die rote Ampel hinwegsieht, dem ist nicht zu helfen. Wunder sind fĂŒr diese FĂ€lle nicht vorgesehen. Es gibt kein Menschenrecht auf Wunder. Der Tod gehört zu dieser Schöpfung hinzu, weil sie schwach ist. Gott will die Ăberwindung des Todes in all seinen Formen.âcite-ref-25[25]
Weitere AnsĂ€tze zur Verteidigung des Glaubens an einen allmĂ€chtigen und gĂŒtigen Gott
Es gibt keine Lösung
Nach dem evangelisch-reformierten Theologen Karl Barth gibt es keine Lösung des Theodizee-Problems. Wir sind nicht berechtigt, Gott anzuklagen. Wir können nur dialektisch vom Paradoxon reden (Karl Barth: Das Böse ist die âunmögliche Möglichkeitâ).
Ăhnlich Ă€uĂern sich Theologen von heute, so der ehemalige PrĂ€ses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred BuĂ: âEhrliche Theologie gesteht ein, dass es auf die Frage nach dem Sinn des Leidens keine Antwort gibt. Wer sie trotzdem versucht, setzt nur Irrlichter auf.âcite-ref-26[26]
Fast 2000 Jahre zuvor wird in den SprĂŒchen der VĂ€ter, einem Teil der Mischna und Hauptwerk der jĂŒdischen Ethik, formuliert: âRabbi Janai sagt: Es ist uns nicht gegeben zu wissen, warum Frevler in Wohlergehen und Gerechte in Leiden leben.â (Kapitel IV, Vers 19)
Gottfried Benn formulierte in seinem Gedicht Menschen getroffen: âIch habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden, woher das Sanfte und das Gute kommt, weiĂ es auch heute nicht und muĂ nun gehen.âcite-ref-27[27]
Das Ăbel als Wille Gottes
Eine andere Interpretation der Bibel besagt, dem Menschen erscheinen Dinge als ĂŒbel, aber er kann nicht objektiv urteilen. FĂŒr Gott habe das Ăbel einen Sinn, obwohl es aus menschlicher Sicht unverstĂ€ndlich ist. Gott ist demnach nicht nur fĂŒr das verantwortlich, was Menschen subjektiv als âgutâ bewerten, sondern fĂŒr alles, wenn man seine Allmacht ernst nehmen will. Dies wird u. a. mit folgenden Stellen der christlichen Bibel begrĂŒndet:
âą Gott habe demnach auch das Unheil erschaffen: âIch [Gott] bilde das Licht und erschaffe das Finstere, bewirke das Gute und erschaffe das Unheil. Ich bin der Herr, der das alles vollbringt.â (Jes 45,7 )
âą âOder geschieht ein UnglĂŒck in der Stadt, und der HERR hĂ€tte es nicht bewirkt?â (Am 3,6 )
âą Alles, d. h. ausnahmslos jedes Wesen, steht Gott zu Diensten. (Ps 119,91 )
âą Gott mache alles zu seinem Zweck, auch den Gottlosen. (Spr 16,4 )
âą Auch Unglaube wird als gottgewirkt angesehen, denn âGott gibt ihnen einen Geist der BetĂ€ubung, Augen die nicht erblickenâ. (Röm 11,8 )
âą âHeiĂt das nun, dass Gott ungerecht handelt? Keineswegs! Denn zu Mose sagt er: Ich schenke Erbarmen, wem ich will, und erweise Gnade, wem ich will. Also kommt es nicht auf das Wollen und Streben des Menschen an, sondern auf das Erbarmen Gottes. In der Schrift wird zum Pharao gesagt: Eben dazu habe ich dich bestimmt, dass ich an dir meine Macht zeige und dass auf der ganzen Erde mein Name verkĂŒndet wird. Er erbarmt sich also, wessen er will, und macht verstockt, wen er will.â (Röm 9,14â18 ); siehe dazu 2 Mos 4,21 , 9,12 , 14,4 , 14,7
âą âNun wirst du erwidern: Was tadelt Er dann noch? Wer hat denn je Seiner Absicht widerstanden? â O Mensch, in der Tat, wer bist denn du, Gott gegenĂŒber eine solche Antwort zu geben? Das Gebilde wird doch nicht dem Bildner erwidern: Warum hast du mich so gemacht? â Hat der Töpfer nicht Vollmacht ĂŒber den Ton, aus derselben Knetmasse das eine GefÀà zur Ehre und das andere zur Unehre zu machen?â (Röm 9,19â21 ).
âą Gott wird die Macht zugeschrieben, auch das Wirken Satans ohne Weiteres vollstĂ€ndig zu unterbinden oder einzuschrĂ€nken, wie es im vollendeten Gottesreich geschehen werde: âEr [ein Bote Gottes] bemĂ€chtigte sich des Drachen, der uralten Schlange (die der Widerwirker und der Satan ist) und band ihn fĂŒr 1000 Jahre.â (Offb 20,1ff )
âą So soll auch die Kreuzigung Jesu in seinem Plan festgelegt gewesen sein, und niemand hĂ€tte es verhindern können: âHerodes wie auch Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels [waren versammelt], um alles auszufĂŒhren, was deine Hand und dein Ratschluss vorherbestimmt hatten, dass es geschehe.â (Apg 4,26â28 )
âą Das Böse, das dem Menschen geschieht, wird als PrĂŒfung angesehen, welche zur Standfestigkeit im Glauben beitrĂ€gt: âHaben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?â (Hi 2,10 )
Hiob und der Tun-Ergehen-Zusammenhang
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Hauptartikel
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Tun-Ergehen-Zusammenhang
Nach dem evangelischen Theologen Klaus Koch entwirft der Autor der dramatischen Geschichte des leidenden Hiob in der alttestamentlichen Weisheitsliteratur eine Theodizee-Antwort, die vor allem negativ sei. Insbesondere argumentiere jener Autor intensiv gegen den sogenannten âTun-Ergehen-Zusammenhangâ (GlĂŒck/Wohlstand einerseits und Leid/Not andererseits gelten als eine Belohnung bzw. Bestrafung JHWHs fĂŒr gerechtes oder sĂŒndhaftes Leben). Dass Hiob unschuldig sei, das wird nicht nur von ihm selbst beteuert (Hi 9,21 ) â vielmehr sagt das auch JHWH selbst: Hiob sei âuntadelig und rechtschaffen; er fĂŒrchtet Gott und meidet das Böseâ. JHWH erklĂ€re, er sei von Satan aufgereizt worden, Hiob âohne Grund zu verderbenâ (Hi 2,3 ). In StreitgesprĂ€chen mit seinen Freunden weise Hiob den angeblich göttlich garantierten Zusammenhang zwischen Leiden und Schuld plausibel zurĂŒck und verlangt eine andere Antwort von JHWH. In zwei groĂen Gottesreden am Ende des Buches ergreife JHWH selbst das Wort und rĂŒhme seine Schöpfung als Erweis seiner Macht und seines Wissens, im Gegensatz zu Hiobs Ohnmacht und Unwissenheit. Daraufhin widerrufe Hiob (Hi 42,6 ): âSo habe ich denn im Unverstand geredet ĂŒber Dinge, die zu wunderbar fĂŒr mich und unbegreiflich sindâ (Hi 42,3 ). Nach dem katholischen Theologen Klaus KĂŒhlwein erkennt Hiob am Ende âim farbenprĂ€chtigen Mosaik der Schöpfung das Antlitz des Schöpfers und einen Plan, der weit entfernt ist von menschlichen, allzu menschlichen Vergeltungsfantasien, von göttlicher WillkĂŒr und kosmischer Sinnlosigkeitâ.cite-ref-klauskuehlwein-28-0[28]
Das Quellenmaterial ist unzureichend
Theologisch anerkannte relevante Ăberlieferungen wie die christliche Bibel können laut dieser Sichtweise Klaus KĂŒhlweins nicht den Anspruch erheben, vollstĂ€ndig und widerspruchsfrei zu sein.cite-ref-klauskuehlwein-28-1[28] Die christlich-theologische/philosophische Erkenntnis, die allein aus diesen Quellen geschöpft werden könne, genĂŒge nicht, um ein hinreichend plausibles Bild der BeweggrĂŒnde, PlĂ€ne und Ziele eines höchst vollkommenen Gottes und Christus, welchem Liebe, Weisheit und Macht in höchster Potenz zugeschrieben werden, zu zeichnen. (Mögliche Quellenerweiterung, siehe Mystik, Neuoffenbarung.)
Vertrauen zu Gott statt Lösungssuche
Nach Ansicht des römisch-katholischen Theologen Hans KĂŒng soll âDurch Leiden ⊠der Mensch zum Leben gelangen. Warum das so ist, warum das fĂŒr den Menschen gut und sinnvoll ist, warum es nicht ohne Leid besser ginge, das kann keine Vernunft erweisen. Das kann aber vom Leiden, Sterben und neuen Leben Jesu im Vertrauen auf Gott schon in der Gegenwart als sinnvoll angenommen werden, in der Gewissheit der Hoffnung auf ein Offenbarwerden des Sinnes in der Vollendung.âcite-ref-29[29]
âUnbedingtes und restloses Vertrauenâ zu Gott, trotz âUnfĂ€higkeit, das RĂ€tsel des Leids und des Bösen entrĂ€tseln zu könnenâ, dafĂŒr wirbt KĂŒng mit dem Versprechen, darin finde âder leidende, zweifelnde, verzweifelte Menschâ einen âletzten Haltâ; so lasse sich das Leid âzwar nicht âerklĂ€renâ, aber bestehenâ.cite-ref-christ-sein-30-0[30] So verschiebt KĂŒng den Akzent des Theodizee-Problems: weg vom Problem eines logischen Widerspruchs zwischen zwei Aussagen, hin zur Frage nach der QualitĂ€t der Beziehung des glĂ€ubigen Menschen zu seinem Gott und hin zu der Frage, welche Auswirkungen dies Gottvertrauen auf das Leben eines Menschen haben kann, insbesondere auf das Leben eines leidenden Menschen.
Der katholische Professor fĂŒr Fundamentaltheologie Armin Kreiner nennt es hingegen âvöllig abwegigâ, aus der Erkenntnis der Fehlbarkeit des menschlichen Ermessens zu folgern, âdaĂ es besser wĂ€re, auf rationale Kontrolle zu verzichten und sein Vertrauen stattdessen ausschlieĂlich auf die göttliche Offenbarung zu setzen. Denn auch die Akzeptanz eines Offenbarungsanspruchs [âŠ] ist ein Akt des Glaubenssubjekts â ein Akt, den es, soweit es in seiner Macht steht, vor sich selbst und vor anderen zu verantworten hat. Der bewuĂte Verzicht auf vernĂŒnftige Kriterien der Verantwortbarkeit heiligt nicht den Glaubensgehorsam, sondern entehrt ihn zum blinden Obskurantismus.âcite-ref-31[31]
Die Theodizee-Frage als AnmaĂung
Hans KĂŒng spricht von der âAnmaĂung, als neutraler und angeblich unschuldiger Zensor ĂŒber Gott und die Welt das Urteil sprechen zu wollenâ, da es dem Menschen nicht zustehe, die Theodizee-Frage zu stellen, sondern darum, sich ein Urteil ĂŒber einen Glauben zu bilden: ein Urteil darĂŒber, ob der Glaube an einen allmĂ€chtigen und gĂŒtigen Gott trotz Theodizee-Problem gerechtfertigt ist.cite-ref-christ-sein-30-1[30] Auch der Theologie-Professor Thomas Hieke hĂ€lt die Frage im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine fĂŒr ânicht angemessenâ. Thomas Söding, ebenfalls Theologie-Professor, bezeichnete die Theodizee-Frage gar als âperversâ.cite-ref-32[32]
Gerechtigkeit in einem spÀteren Leben
Im Zusammenhang mit der Suche nach Gottes GĂŒte und Gerechtigkeit beim Ukraine-Krieg 2022 verweist der Theologe Thomas Hieke darauf, dass Gott alles gut werden lasse, âwenn nicht in diesem Leben, dann in einem anderenâ.cite-ref-33[33]
Gottes Eigenschaften sind zu ĂŒberdenken
FĂŒr die Theodizee-Frage sind unter den Eigenschaften Gottes die (angenommene) AllgĂŒte, Allmacht, Unbegreiflichkeit und Allwissenheit relevant. Norbert Hoerster vertritt die Meinung, dass der Theist wenigstens eines der Gottesattribute aufgeben mĂŒsse. Entweder sei Gott allgĂŒtig oder er sei allmĂ€chtig. Beide Eigenschaften gleichzeitig anzunehmen betrachtet er als in sich widersprĂŒchlich und damit irrational.cite-ref-34[34]
Gottes AllgĂŒte wird relativiert
Einige Theologen und Philosophen haben â zum Teil mit Hinweis auf biblische Aussagen â die Meinung vertreten, dass Gott in sich komplex und eben nicht nur gut sei. Der âliebeâ Gott wĂ€re eine VerkĂŒrzung des biblischen Gottesbildes, wobei man dennoch auf diesen Aspekt Gottes vertrauen soll.cite-ref-35[35] Bekannt sind die Unterscheidungen von Luther und Schelling: Luther hebt den Deus absconditus (verborgenen Gott; Zorn, Gesetz) und den Deus revelatus (offenbarten Gott; Liebe, Evangelium) voneinander ab; Schelling unterscheidet zwischen Grund und Existenz in Gott, wobei Gott qua Grund die Ursache fĂŒr das Ăbel sei. Friedrich Nietzsche bestreitet Gottes Gutsein und sieht ihn âjenseits von Gut und Böseâ.
Einer noch stĂ€rker ausgeprĂ€gten ambivalenten Gottesvorstellung begegnet man zum Beispiel im Hinduismus, in der altĂ€gyptischen Religion, in der griechischen Mythologie oder in der germanischen Mythologie, wo die Götter nicht als absolut gĂŒtig und gut betrachtet werden. Sie vereinen helfende, gebende und friedensbringende Eigenschaften ebenso in sich wie zerstörerisch-wĂŒtende und kriegerische. In diesem Sinne wird durch eine ambivalente Gottesvorstellung ebenfalls die AllgĂŒte Gottes relativiert.
Gottes Gerechtigkeit wird seiner GĂŒte gegenĂŒbergestellt
Es wird argumentiert, die Gerechtigkeit Gottes mache es erforderlich, dass er nicht immer auf maximales Wohlergehen hinwirken könne. Menschliches Leiden wird gedeutet als âgerechte Strafeâ fĂŒr menschliches Fehlverhalten und/oder fĂŒr Ungehorsam gegenĂŒber den Geboten Gottes und/oder fĂŒr âSĂŒndeâ, d. h. die Trennung des Menschen von Gott.
Dieser Theodizee-Versuch ist dem Einwand ausgesetzt, dass menschliches Leiden oft in keinem VerhĂ€ltnis zur Schuld des Betroffenen stehe, dass auch Unschuldige litten, beispielsweise SĂ€uglinge. So erhalte man keine Lösung des Theodizee-Problems, sondern ein Theodizee-Problem in etwas verĂ€nderter Gestalt: âVertrĂ€gt sich die Lehre vom allmĂ€chtigen und gerechten Gott mit der Erfahrung einer Welt voller Ungerechtigkeiten?â Hinzu kommt, nach Bart D. Ehrman, Professor fĂŒr Neues Testament, ein doppeltes Problem: dass die Vorstellung von Leiden als Strafe Gottes âsowohl falsche Sicherheit als auch falsche Schuldâ erzeugt. Er schreibt:
âWenn Strafe durch die SĂŒnde kommt und ich kein bisschen leide, danke sehr, macht mich das gerecht? Gerechter als meinen Nachbarn, der seinen Job verloren hat oder dessen Kind bei einem Unfall getötet wurde oder dessen Frau brutal vergewaltigt und ermordet wurde? Andererseits, wenn ich schwerem Leiden unterworfen bin, liegt es wirklich daran, dass Gott mich straft? Ist es wirklich meine Schuld, wenn mein Kind mit einer Behinderung geboren wird? Wenn die Wirtschaft abstĂŒrzt und ich kein Essen mehr auf den Tisch bringen kann? Wenn ich Krebs bekomme?âcite-ref-36[36]
Gottes AllgĂŒte wird unterschieden von menschlichen Begriffen der GĂŒte
Der Philosoph Norbert Hoerster wendet sich gegen Argumentationen: Gottes AllgĂŒte sei mit menschlichen Begriffen nicht zu erfassen, der menschliche Begriff der GĂŒte beschreibe die AllgĂŒte Gottes nur unvollkommen und nicht fehlerfrei und der Widerspruch im Theodizee-Problem sei lediglich eine Folge der Fehlerhaftigkeit menschlicher Begriffe:
âWenn jene GĂŒte, die der GlĂ€ubige in maximalem AusmaĂ Gott zuschreibt, nicht einmal jene bescheidene Form der GĂŒte, die man sinnvollerweise einem Menschen zuschreiben kann, zu umfassen braucht, dann hat der GlĂ€ubige seine Ăberzeugung (d. h. die Ăberzeugung Dieser Gott ist allgĂŒtig, d. h. er besitzt ein Maximum an GĂŒte) offenbar falsch formuliert. Eine âGĂŒteâ, die mit dem, was wir gewöhnlich im menschlichen Bereich unter diesem Begriff verstehen, nicht in Zusammenhang steht, ist ein leeres Wort.âcite-ref-37[37]
Gottes Allmacht wird relativiert âŠ
⊠durch die Freiheit des Menschen
Weitere AnsÀtze bei der Lösung der Theodizee-Frage liegen in der Annahme, dass Gott dem Menschen Freiheit und Eigenverantwortung in seinem Handeln lasse.
Der Philosoph Bertrand Russell vertrat die Meinung, ein allmĂ€chtiger Gott sei fĂŒr alles verantwortlich. Es sei sinnlos anzufĂŒhren, das Leiden in der Welt sei durch die SĂŒnde verursacht. Selbst wenn das wahr wĂ€re, wĂŒrde es nichts bedeuten. Wenn Gott im Voraus gewusst hĂ€tte, welche SĂŒnden die Menschen begehen wĂŒrden, so wĂ€re er eindeutig fĂŒr alle Folgen dieser SĂŒnden verantwortlich, durch seinen Beschluss, den Menschen zu erschaffen.cite-ref-38[38] Von einer anderen Seite beleuchtete der Philosoph John Leslie Mackie das Problem: Wenn die Menschen Freiheit hĂ€tten in dem Sinne, dass sie in einigen FĂ€llen tatsĂ€chlich so oder so entscheiden könnten â wenn das also weder durch Ă€uĂere UmstĂ€nde noch durch die Wesensart dieser Menschen festgelegt wĂ€re â, dann wĂ€re es unmöglich zu wissen, wie sie sich entscheiden wĂŒrden, bevor sie sich entschieden hĂ€tten; niemand könnte das vorher wissen, auch kein allmĂ€chtiger Gott, der alles wĂŒsste, was gewusst werden kann. So hĂ€tte Gott nicht wissen können, wie die Menschen ihre Freiheit gebrauchen wĂŒrden. Eine solche Verteidigungsstrategie fĂŒr Gott, meinte Mackie, gelinge jedoch nur auf Kosten einer sehr ernsten Aushöhlung dessen, was man gewöhnlich unter der Allwissenheit Gottes versteht.cite-ref-39[39] AuĂerdem gab Mackie zu bedenken, dass selbst dann, wenn ein allmĂ€chtiger Gott nicht wissen konnte, was Adam, Eva und Satan tun wĂŒrden, wenn er sie erschĂŒfe, er doch zweifellos wissen wĂŒrde, was sie tun könnten. So wĂ€re er ein âhöllisches Risikoâ eingegangen, als er Adam, Eva und Satan erschuf; ja, er wĂ€re das Risiko eingegangen, dass die Menschen noch weitaus bösartiger sein könnten, als sie es tatsĂ€chlich sind.cite-ref-40[40]
⊠durch Gottes RĂŒckzug
Grundlage dieses Ansatzes, beispielsweise vertreten durch den protestantischen Pfarrer, Prediger und Schriftsteller Wilhelm Busch (1897â1966), ist die Beobachtung, dass in der westlichen Welt die SĂ€kularisierung stets voranschreitet. Die Gebote Gottes werden nicht mehr beachtet und sind den meisten Menschen nicht einmal bekannt. Dies ist ein klares Nein zu Gott durch die Nichtbeachter. Ein âNeinâ durch Nicht-Kenner ist das noch keineswegs. Gott respektiert diese scheinbar endgĂŒltige Entscheidung und zieht sich weitgehend, aber nicht ganz zurĂŒck. Gott weiĂ nĂ€mlich, dass der Mensch dazulernt und zu einem geistig fortgeschritteneren Zeitpunkt aufgrund gereifter Einsicht, dass er Gottes Hilfe braucht, eine andere Entscheidung treffen könnte, die eine vertieftere Wissens- und Verstehenslage beinhalten kann.
Dietrich Bonhoeffer trieb solch eine Sicht in einem seiner Briefe auf die Spitze: âVor und mit Gott leben wir ohne Gott. Gott lĂ€sst sich aus der Welt hinausdrĂ€ngen ans Kreuz, Gott ist ohnmĂ€chtig und schwach in der Welt und gerade und nur so ist er bei uns und hilft uns.â
⊠durch den Holocaust
Aus der Erfahrung persönlichen Leides kommt der Rabbi Harold S. Kushner in seinem Buch âWenn guten Menschen Böses widerfĂ€hrtâ zu dem Schluss, dass Gott zwar gut, aber nicht allmĂ€chtig sei. Die Frage nach dem âWarum?â des Leides fĂŒhre zu nichts, da sie entweder Wut auf sich selbst (Was habe ich getan, dass mir das passiert?) oder auf Gott (Warum lĂ€sst Gott das zu?) zur Folge habe und diese Wut verhindere, dass der Mensch Hilfe von anderen Menschen und von Gott annehmen könne. Da Gott durch die Menschen wirke, solle die Frage vielmehr lauten âWenn mir dieses Leid nun schon einmal passiert ist, wer kann mir helfen?â Dieser Lösungsansatz ist auch im Rahmen der sogenannten Theologie nach Auschwitz verbreitet. Auch Hans Jonas ist der Meinung, dass der Begriff der Allmacht zweifelhaft sei und dass deswegen auf dieses Gottesattribut verzichtet werden mĂŒsse. Jonas glaubt, dass Gott deswegen in Auschwitz nicht eingegriffen habe, weil er es nicht konnte. Jonas schlĂ€gt deshalb die Idee eines Gottes vor, der darauf verzichtet (hat), in den Verlauf des Weltgeschehens einzugreifen.cite-ref-41[41]
⊠durch Christus am Kreuz
Durch die Kreuzigung Christi sei die Ohnmacht des dreieinigen Gottes deutlich geworden (Dorothee Sölle: âGott hat keine anderen HĂ€nde als die unserenâ). Zugleich werde die besondere NĂ€he des christlichen Gottes zu den Menschen in der Passion beschrieben. Gott entĂ€uĂere sich selbst und unterwerfe sich menschlicher Grausamkeit, um zugleich eine Perspektive aufzuweisen, die in die Ewigkeit hineinrage.
⊠durch ein dualistisches Weltbild
Das Böse sei durch gefallene Engel, den Teufel, Demiurgen oder miteinander konkurrierende Weltprinzipien (Dualismus) zu erklĂ€ren. Als Beispiel hierfĂŒr kann die altpersische Religion Zarathustras dienen, die davon ausging, dass zwei gleich mĂ€chtige Urprinzipien die Welt beherrschen: auf der einen Seite das gute, gebende, göttliche Prinzip, auf der anderen Seite das böse, nehmende, widergöttliche. Auf diese Art und Weise wird die Allmacht Gottes bestritten, und (der gute) Gott ist dann nicht mehr fĂŒr die Existenz des Bösen verantwortlich.
Auch die neutestamentliche Lehre des Paulus von Tarsus enthĂ€lt in wichtigen Teilen Aspekte des persischen Dualismus (vgl. Gal 5,19 f. : âsĂŒndiges Fleischâ, UrsĂŒnde), die mit Eigeninterpretationen des Tanach zur paulinischen Theologie vermischt wurden.
In gnostischen Schriften wird die Herkunft des Bösen durch ein fĂŒr Gott inakzeptables Verhalten einiger Engel beschrieben. Diese sahen Adam, der als Gottes Ebenbild geschaffen wurde, und lachten ihn wegen seiner SchwĂ€che aus. Da Gott diese Engel verstieĂ, wurden sie zu seinen Feinden. Und da sie Gott selbst nicht bezwingen können, wollen sie Gottes Schöpfung durch einen Abnutzungskampf zerstören. Der Mensch kann sich nun nach seinem Schöpfer ausrichten oder sich unter der Herrschaft dieser Engel der Selbstzerstörung hingeben.
Solche dualistische Gottesvorstellungen finden sich bei den Bogomilen, in der Gnosis und im ManichÀismus.
Gottes Allwissenheit wird relativiert
Die Gnosis sieht den Menschen als fĂŒr eine vollkommene Gottesbeziehung gedacht. Durch die SĂŒnde wurde die Weiterentwicklung der Schöpfung unvollkommen, wodurch die Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer und Ursprung getrĂŒbt wird. Der Mensch leidet unter diesem Umstand. Gott hĂŒllt sich aufgrund der SĂŒnde in einen Nebel, der dem Menschen die Distanz und Freiheit gibt, wĂ€hrend der Zeit, die ihm gegeben ist, in SĂŒnde zu leben, wenn er das will. Gottes Allwissenheit wird zur warnenden Botschaft einer absoluten, heiligen Gerechtigkeit, die nicht auf diese Welt beschrĂ€nkt bleibt.
Theologischer Einwand: Falsche Fragestellung
Michael Bachmann verweist darauf, dass der Begriff der Allmacht Gottes sich jedenfalls nicht schon aufgrund biblischer Aussagen und Formulierungen ergibt oder nahelegt. Im Blick auf den Gott der Juden und der Christen kommt der Terminus omnipotens erst in der Vulgata vor, der lateinischen Ăbersetzung von hebrĂ€ischem âAlten Testamentâ und griechischem Neuen Testament (so zum Beispiel 1. Mose 17,1; Offb 21,12 [jeweils: Deus omnipotens]). Der (hebrĂ€ische) Tenach benutzt indes AusdrĂŒcke wie âJahwe Zebaothâ (âHerr der Heerscharenâ) oder âEl Shaddaiâ (âGott der Wohltatenâ), und die griechische Ăbersetzung, die Septuaginta, verwendet parallel dazu nicht selten das Wort pantokratĆr (âAllherrscherâ [o. Ă€.]), das auch im Neuen Testament zehnmal vorkommt, neunmal davon in der Johannesoffenbarungcite-ref-42[42]. In Offb 11,17 beispielsweise ist vom âAllherrscherâ in einem Gebet die Rede, und dabei gilt Gott, dem âAllherrscherâ, der hier in der zweiten Person angeredet wird, der Dank dafĂŒr, âdass duâ nun âdeine groĂe Macht ergriffen und die Herrschaft angetreten hastâ. PantokratĆr beschreibt damals also nicht etwa eine Eigenschaft, meint insofern durchaus noch nicht âAllmĂ€chtigerâ (und spricht insbesondere auch nicht von âAllmachtâ), sondern ist zunĂ€chst ein âNamenselementâ, zugleich (lediglich) âAusdruck kontrafaktischer Hoffnungâ, und das gerade auch auf dem Hintergrund âfrĂŒher erfahrener Rettungen und angesichts entgegenstehender MĂ€chteâcite-ref-43[43]. Von diesen (und weiteren) philologischen Beobachtungen her âwird mit dem energischen Insistieren auf dem sich in den antiken Dokumenten darbietenden pantokratĆr-Befund [âŠ] der heute weithin als ausgemacht geltenden Auffassung begrĂŒndet begegnetâ werden können und mĂŒssen, âchristliche Gottesrede sei in bezug auf das menschliche Leid selbstwidersprĂŒchlichâcite-ref-44[44]
Peter Knauer hĂ€lt das Theodizee-Problem fĂŒr das Ergebnis einer von âvorneherein falsche[n] Fragestellungâ. Er betrachtet das Theodizee-Problem als ein spekulatives Problem, bei dem von Gott auf die Welt und von der Welt auf Gott geschlossen werde. Das ist seiner Meinung nach aber unzulĂ€ssig, da es keine Gott und die Welt ĂŒbergreifende Wirklichkeit gebe. Er verschiebt die Fragestellung von der spekulativen Ebene zu einer existentiellen Frage. Also nicht mehr âWie kann Gott das Ăbel zulassen?â, sondern âWie kann der Mensch die eigene Endlichkeit aushalten und bestehen?âcite-ref-45[45]
Atheistische Schlussfolgerung: Die Existenz Gottes wird bestritten
Die atheistische Schlussfolgerung aus der, wie man meinte, misslungenen Theodizee gewann Ende des 18. Jahrhunderts an Boden. Als nach dem Erdbeben von Lissabon 1755 die optimistische Leibnizâsche Lösung der Theodizee fĂŒr viele an PlausibilitĂ€t einbĂŒĂte, war es nur noch ein kleiner Schritt, nicht nur Gottes GĂŒte, sondern gleich Gottes Existenz zu verneinen.
Viele Atheisten und Agnostiker ziehen aus dem Theodizee-Problem Ă€hnliche SchlĂŒsse wie der Philosoph Norbert Hoerster: â⊠dass jedenfalls auf dem gegenwĂ€rtigen Stand unseres Wissens die Existenz eines ebenso allmĂ€chtigen wie allgĂŒtigen göttlichen Wesens angesichts der vielfĂ€ltigen Ăbel der Welt als Ă€uĂerst unwahrscheinlich gelten muss.âcite-ref-46[46] Joachim Kahl sieht im Theodizee-Problem sogar eine âempirische Widerlegung des Gottesglaubensâ.cite-ref-47[47] John Leslie Mackie fĂŒhrte aus: Da es nun einmal Ăbel gebe und âkeine plausible Theodizee in Sichtâ sei, spreche viel dafĂŒr, âdass sich der Theismus nicht widerspruchsfrei darlegen lĂ€sst, ohne dass wenigstens eine seiner zentralen Aussagen wesentlich verĂ€ndert wird.âcite-ref-48[48] In einer Gesamtschau kommt Mackie ânach AbwĂ€gen der Wahrscheinlichkeitenâ zu dem Ergebnis, âdass weitaus mehr gegen die Existenz eines Gottes spricht als dafĂŒrâ.cite-ref-49[49]
Eine besondere Sichtweise findet sich bei Odo Marquard:
â[Nach 1755] lag es nahe, zu meinen: die Theodizee gelingt nicht dort, wo â wie bei Leibniz â Gott durch das Schöpfungsprinzip âder Zweck heiligt die Mittelâ entlastet, sondern erst dort, wo Gott von diesem Prinzip entlastet wird. Wo dieses Prinzip als Prinzip der Schöpfung gleichwohl unangefochten bleibt, muss das schlieĂlich folgende Konsequenz haben: Gott muss â zugunsten seiner GĂŒte â aus der Rolle des Schöpfers befreit, ihm muss â zur Rettung seiner GĂŒte â sein Nichtsein erlaubt oder gar nahegelegt werden. ⊠Durch diesen Atheismus ad maiorem Dei gloriam wird der Mensch der Erbe der Funktionen Gottes: nicht nur seiner Funktion als Schöpfer, sondern eben darum auch ⊠seiner Funktion als Angeklagter der Theodizee.âcite-ref-50[50]
Damit sei die Theodizee in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jh. in die Geschichtsphilosophie gemĂŒndet. An Gottes AllgĂŒte, Allwissenheit und Allmacht wird also in vollem Umfang festgehalten. Zur Rettung aller drei klassischen Eigenschaften wird aber die Existenz (des so definierten) Gottes aufgegeben.
Logisch-philosophische ErklĂ€rung: Freier Wille ist unvermeidliche Konsequenz des FĂŒhlens
Der Mathematiker, Logiker und Philosoph Raymond Smullyan fĂŒhrt in seinem Dialog âIst Gott ein Taoist?âcite-ref-51[51] zwischen Gott und einem Sterblichen aus, dass die Existenz fĂŒhlender Wesen unvermeidlich den freien Willen nach sich zieht und damit die Möglichkeit der Entscheidung fĂŒr oder gegen das Böse, hier definiert als Handlung, die anderen fĂŒhlenden Wesen Leid zufĂŒgt. Daher ist es auch Gott logisch unmöglich, eine Welt mit fĂŒhlenden Wesen zu erschaffen, in der das Böse nicht existiert, genauso wenig wie es ihm möglich ist, ein Dreieck in der Ebene zu erschaffen, dessen Winkelsumme nicht 180° betrĂ€gt.
Das Problem des Bösen, das gute Menschen ohne erkennbare Ursache erleiden, wird nicht direkt thematisiert, allerdings werden die Themen Reinkarnation und Karma indirekt angesprochen. Gott sieht jeden Menschen als in Entwicklung begriffen. Durch seine freien Entscheidungen macht der Mensch notgedrungen Erfahrungen, die zu Leid bei sich selbst oder anderen fĂŒhlenden Wesen fĂŒhren. Um dieses Leid zu vermeiden, wird der Mensch gewissermaĂen durch Erfahrung automatisch gut und letzten Endes zu einem Engel, der zu Gott zurĂŒckkehrt. Dieser Entwicklungsprozess dauere zu Gottes Bedauern leider sehr lange, und er könne daran ebenfalls nichts Ă€ndern.
In diesem Zusammenhang ist auch die einflussreiche Abhandlung God, Freedom and Evil (1974) des US-Philosophen Alvin Plantinga zu erwĂ€hnen. Plantingas Argumentation der sogenannten free-will defense betont, dass das Ăbel mit der Allmacht, AllgĂŒtigkeit und Allwissenheit Gottes vereinbar sei und der freie Wille ein Gut sei, von dem plausiblerweise behauptet werden könne, dass es infolge der Beseitigung vieler Ăbel in Mitleidenschaft gezogen werde.
Siehe auch
Literatur
Bibliographien
âą Barry L. Whitney: Theodicy. An Annotated Bibliography on the Problem of Evil, 1960â1990. New York 1993.
Ideengeschichte
Allgemein
âą John Bowker: Problems of Suffering in Religions of the World. Cambridge 1970, ISBN 0-521-09903-X (Religionswissenschaftliche Darstellung mit Kapiteln zu Judentum, Christentum, Islam, Marxismus, Hinduismus, Buddhismus, âDualismusâ und Einheit der Erfahrung).
⹠Carsten Colpe, Wilhelm Schmidt-Biggemann (Hrsg.): Das Böse. Eine historische PhÀnomenologie des UnerklÀrlichen. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-28678-1 (Inhaltsverzeichnis).
âą Peter Gerlitz, Melanie Köhlmoos, Johann Maier, Hartmut Rosenau, Helmut Hollenstein, Carl-Friedrich Geyer: Theodizee I.âVI. In: Theologische RealenzyklopĂ€die (TRE), Band 33, 2002, S. 210â237 (sehr konzise, materialreiche Darstellung zur Theodizee in der Religionsgeschichte, im Alten Testament, im Judentum, in der christlichen Dogmatik, in der Praktischen Theologie und der Philosophie).
âą Carl-Friedrich Geyer: Begriffsgeschichtliches zur Theodizee. In: Archiv fĂŒr Geschichte der Philosophie. Band 1, 1993.
âą Peter HĂŒnermann, Adel Theodor Khoury (Hrsg.): Warum leiden? Die Antwort der Weltreligionen. Freiburg u. a. 1987 (Grundinformationen zum religiösen Umgang mit Leid in Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Islam, Christentum).
⹠Mark Larrimore: The Problem of Evil. A Reader. Oxford (UK) 2001 (Anthologie von PrimÀrtexten von Platon bis Levinas).
âą Benedikt Schwank: Warum gibt es Leid? Welche Antworten geben die groĂen Weltreligionen? In: Erbe und Auftrag. Jahrgang 81, 2005, S. 201â219.
âą Gottfried Wilhelm von Leibniz: Theodicee, das ist, Versuch von der GĂŒte Gottes, Freiheit des Menschen, und vom Ursprunge des Bösen. Nach der 1744 erschienenen, mit ZusĂ€tzen und Anmerkungen von Johann Christoph Gottsched ergĂ€nzten, vierten Ausgabe hrsg., kommentiert und mit einem Anhang versehen von Hubert Horstmann, Berlin 1996, ISBN 978-3-05-001960-4.
Altes Israel
âą Walter GroĂ, Karl-Josef Kuschel: Ich schaffe Finsternis und Unheil! Ist Gott verantwortlich fĂŒr das Ăbel? M. GrĂŒnewald, Mainz 1992, ISBN 3-7867-1644-7 (materialreiche Studie zu atl., literarischen und theologiegeschichtlichen Texten; PlĂ€doyer fĂŒr ein Offenhalten der Theodizee-Frage um Gottes und der Menschen willen, Kritik an diversen etablierten theologischen Antwortversuchen [Belastung des Menschen, Leiden oder Ohnmacht Gottes u. a.]; Review von David Blumenthal).
âą Thomas Pola: Theodizee im Alten und Neuen Testament. Unter besonderer BerĂŒcksichtigung von Psalm 73. In: Thomas Pola: Gott fĂŒrchten und lieben. Studien zur Gotteserfahrung im Alten Testament (= Biblisch-theologische Studien. [BThSt] Band 59). 2. Auflage, Neukirchener-Verlag, Neukirchen-Vluyn 2007, ISBN 978-3-7887-2002-5, S. 79â149.
âą Meik Gerhards: Gott und das Leiden. Antworten der babylonischen Dichtung Ludlul bÄl nÄmeqi und des biblischen Hiobbuches. Peter Lang Edition, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-631-73270-0 (Print), E- ISBN 978-3-631-73275-5 (E-Book) (Interpretation des âbabylonischen Hiobâ und des alttestamentlichen Hiobbuches, die ausgehend von der philologisch-historischen Untersuchung beider Werke das GesprĂ€ch mit aktuellen philosophischen Positionen zur Theodizeeproblematik sucht).
Indien
âą Masao Abe: The Problem of Evil in Christianity and Buddhism. In: Paul O. Ingram, Frederick J. Streng (Hrsg.): Buddhist-Christian Dialogue. Honolulu 1986, S. 139â154.
âą James W. Boyd: Satan and Mara. Christian and Buddhist Symbols of Evil. Brill, Leiden 1975.
âą Arthur Ludwig Herman: The Problem of Evil and Indian Thought. Dissertation, University of Minnesota, New Delhi 1976.
âą Trevor Oswald Ling: Buddhism and the Mythology of Evil. A Study in Theravada Buddhism. London 1997.
âą Wendy Doniger OâFlaherty: The Origins of Evil in Hindu Mythology. Berkeley / Los Angeles / London 1980.
Griechische Antike
âą C. SchĂ€fer: Das Dilemma der neuplatonischen Theodizee. Versuch einer Lösung. In: Archiv fĂŒr Geschichte der Philosophie. Band 1, 2000.
FrĂŒhes Christentum, Gnostizismus, Patristik
âą K. Gronau: Das Theodizeeproblem in der altchristlichen Auffassung. 1922.
âą P. Koslowski (Hrsg.): Gnosis und Theodizee. Eine Studie ĂŒber den leidenden Gott des Gnostizismus. Wien 1993.
⹠Michael Bachmann: Gott der AllmÀchtige. Der Pantokrator der Bibel und die Theodizeediskussion. Freiburg 2019, ISBN 978-3-451-38068-6.
Islam
âą Navid Kermani: Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte. C. H. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-53524-0.
âą Eric Ormsby: Theodicy in Islamic Thought. The Dispute over Al-Ghazaliâs âBest of All Possible Worldsâ. Princeton University Press, Princeton 1984.
JĂŒdische Philosophie
Neuzeit
âą H. Busche: Leibnizâ Theodizee â ihre Ziele und ihre Argumente.
âą R. Freiberg: Moments which Murdered my God and my Soul. Der Theodizee-Diskurs im Spiegel ausgewĂ€hlter Holocaust-Literatur. In: G. Bayer, R. Freiberg (Hrsg.): Literatur und Holocaust. WĂŒrzburg 2008.
âą Walter GroĂ, Karl-Josef Kuschel: âIch schaffe Finsternis und Unheil!â Ist Gott verantwortlich fĂŒr das Ăbel? Mainz 1992.
⹠F. Hermanni: Die letzte Entlastung. Vollendung und Scheitern des abendlÀndischen Theodizeeprojektes in Schellings Philosophie. Wien 1994.
âą Hans-Gerd JanĂen: Gott â Freiheit â Leid. Das Theodizee-Problem in der Philosophie der Neuzeit. 2., unverĂ€nderte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993, ISBN 3-534-02399-4.
âą O. Lempp: Das Problem der Theodicee in der Philosophie und Literatur des 18. Jahrhunderts bis auf Kant und Schiller. Dissertation, UniversitĂ€t TĂŒbingen 1910, gedruckt Leipzig 1910, Nachdruck Hildesheim 1976.
âą H. Lindau: Die Theodizee im 18. Jahrhundert. Entwicklungsstufen des Problems vom theoretischen Dogma zum praktischen Idealismus. Leipzig 1911.
âą U. Steiner: Politische Theodizee. Philosophie und Poesie in der lehrhaften Dichtung des achtzehnten Jahrhunderts. MĂŒnchen 2000.
⹠Gerhard Streminger: Die Welt gerÀt ins Wanken. Das Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 und seine Nachwirkungen auf das europÀische Geistesleben. Alibiri Verlag 2021.
âą R. Wegener: Das Problem der Theodizee in der Philosophie und Literatur des 18. Jahrhunderts. Mit besonderer RĂŒcksicht auf Kant und Schiller, Berlin 1909.
Systematische Darstellungen
âą Marilyn McCord Adams: Horrendous Evils and the Goodness of God. Cornell University Press, Ithaca (NY) 1999.
⹠Florin George Calian (Hrsg.): Editorial RES 1/2024: Religion and the Problem of Evil (I) Religion und das Problem des Bösen (I). In: Review of Ecumenical Studies. Band 16, 20240401, 5, doi:10.2478/ress-2024-0001.
⹠Florin George Calian (Hrsg.): Editorial RES 2/2024: Religion and the Problem of Evil (II) Religion und das Problem des Bösen (II). In: Review of Ecumenical Studies. Band 16, 20240801, 175, doi:10.2478/ress-2024-0015.
⹠B. J. Claret (Hrsg.): Theodizee. Das Böse in der Welt. 2. Auflage. Darmstadt 2008.
âą Walter Dietrich, Christian Link: Die dunklen Seiten Gottes. Band 2: Allmacht und Ohnmacht. Neukirchener Verlag, Neukirchen 2000.
âą Alexander Dietz: Die Bedeutung der Ausgangsfrage fĂŒr die Bearbeitung des Theodizeeproblems. In: Neue Zeitschrift fĂŒr Systematische Theologie. (NZSTh) Band 53, 2011, S. 285â302.
âą David R. Griffin: God, Power and Evil. A Process Theodicy. Philadelphia (Pa) 1976.
âą Friedrich Hermanni: Das Böse und die Theodizee. Eine philosophisch-theologische Grundlegung. Kaiser / GĂŒtersloher Verlagshaus, GĂŒtersloh 2002, ISBN 3-579-05391-4 (Habilitation, KH Bethel 2001).
âą John Hick: Evil and the God of Love. 1. Auflage. Harper & Row, New York 1966 (2. Auflage. 1978).
âą Daniel Howard-Snyder (Hrsg.): The Evidential Argument from Evil. Indiana University Press, Bloomington/Indianapolis 1996.
âą Peter Koslowski (Hrsg.): Der Leidende Gott: Eine philosophische und theologische Kritik. Fink, MĂŒnchen 2001.
âą Armin Kreiner: Gott im Leid. Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente. 3. Auflage. Freiburg u. a. 2005, ISBN 3-451-28624-6.
âą Willi OelmĂŒller (Hrsg.): WorĂŒber man nicht schweigen kann. Neue Diskussionen zur Theodizeefrage. Fink, MĂŒnchen 1992.
âą Dewi Z. Phillips: The Problem of Evil and the Problem of God. Fortress, Minneapolis 2005.
âą Karl Rahner: Warum lĂ€sst Gott uns leiden? In: Schriften zur Theologie. XIV (1980), S. 450â466 (ebenfalls veröffentlicht in: Worte vom Kreuz. Freiburg 1980; K. Lehmann, A. Raffelt (Hrsg.): Praxis des Glaubens, geistliches Lesebuch. 1982, S. 432â444; K. Rahner: SĂ€mtliche Werke. Band 30. Freiburg 2009, S. 373â384).
âą William Rowe (Hrsg.): God and the Problem of Evil. Blackwell Readings in Philosophy. Malden (Mass) 2002.
⹠Klaus von Stosch: Theodizee. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2013.
âą Gerhard Streminger: Gottes GĂŒte und die Ăbel der Welt. Das Theodizeeproblem. Mohr, TĂŒbingen 1992 (italienische Ăbersetzung: EffeElle Editori 2006, 2. Auflage (gekĂŒrzt), Aracne, Rom 2009).
âą Peter van Inwagen: The Problem of Evil. Oxford University Press, Oxford 2006.
⹠Harald Wagner u. a. (Hrsg.): Mit Gott streiten. Neue ZugÀnge zum Theodizee-Problem (= Quaestiones disputatae. Band 169). Herder, Freiburg im Breisgau 1998, ISBN 3-451-02169-2.
âą Paul Weingartner: Evil. Different Kinds of Evil in the Light of Modern Theodicy. Peter Lang, Bern 2003.
âą Paul Weingartner (Hrsg.): Das Problem des Ăbels in der Welt. Vom interdisziplinĂ€ren Standpunkt. Peter Lang, Bern 2005.
Weblinks
Wiktionary: Theodizee
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Bibliographien
âą Herbert Frohnhofen: Aktuelle Literatur zur Theodizee
EinfĂŒhrende Ăberblicksdarstellungen
âą Walter Dietz: Thesen zur Theodizeefrage im theologischen Horizont (PDF; 27 kB), Mainz 2000
âą Laura W. Ekstrom: Theodicies. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2024.
âą Michael Murray: Leibniz on the Problem of Evil. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
âą Howard Snyder: God, Evil, and Suffering (Memento vom 5. Juni 2010 im Internet Archive) (PDF; 256 kB), In: Michael Murray (Hrsg.): Reason for the Hope Within, Grand Rapids: Eerdmans 1999, 76â115
âą Gerhard Streminger: âVon der GĂŒte Gottes und die Leiden der Weltâ. Ein Ăberblick ĂŒber das Theodizeeproblem, in: AufklĂ€rung und Kritik 1 (2003), S. 11 ff.
âą Michael Tooley: The Problem of Evil. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
Sonstiges
âą Bibelwissenschaft.de Theodizee
Leibniz-Ausgaben
âą Leibniz im Internet â Einzelwerke. Listet Digitalisate historischer Ausgaben. Leibniz-Forschungsstelle MĂŒnster, abgerufen am 21. April 2019.
âą Die Theodicee. HTML-Transkription der Ausgabe von 1879cite-ref-52[52]. In: Zeno.org. Contumax, abgerufen am 21. April 2019.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Charles Darwin: The autobiography of Charles Darwin. Hrsg.: Nora Barlow. Collins, London 1958, ISBN 0-393-31069-8.
cite-note-22. â Gottfried Wilhelm Leibniz: Essais de thĂ©odicĂ©e. I. Troyel, Amsterdam 1710 (Duden: Eintrag Theodizee,) Herkunft.
cite-note-33. â Im Judentum ist JHWH der Schöpfer von Gut und Böse, beispielsweise gibt es keine Personifizierung des Bösen, wie etwa im Christentum oder im persischen Dualismus (siehe dazu auch: Paulus von Tarsus), neben ihm.
cite-note-55. â Reinhold F. Glei: Et invidus et inbecillus. Das angebliche Epikurfragment bei Laktanz (= De ira dei Band 13, 20â21). In: Vigiliae Christianae. Band 42, 1988, S. 47â58, letztere Konjektur S. 58 n. 38; Arthur Stanley Pease (Hrsg.): M. Tulli Ciceronis De natura deorum. Libri secundus et tertius. Cambridge (Mass.) 1958, S. 1232 f.
cite-note-66. â Vgl. Cicero: De natura deorum. 1, 123 und Laktanz: De ira dei. 4, 7; nach R. F. Glei: Et invidus et inbecillus. Das angebliche Epikurfragment bei Laktanz. Band 57 n. 24.
cite-note-77. â Pyrrhoneische Hypotyposen. 3.3.9â12; vgl. zur Stelle etwa R, F. Glei: Et invidus et inbecillus. Das angebliche Epikurfragment bei Laktanz. Band 53.
cite-note-88. â Peter Knauer: Der Glaube kommt vom Hören. Ăkumenische Fundamentaltheologie. Graz, Wien / Köln 1978, S. 55 f.
cite-note-99. â Boethius. Abgerufen am 24. August 2025.
cite-note-1010. â Gottfried Wilhelm Leibniz: Die beste aller möglichen Welten. Zitiert in: Norbert Hoerster (Hrsg.): Glaube und Vernunft. Texte zur Religionsphilosophie (= dtv. Band 4338). DTV, MĂŒnchen 1979, S. 93 ff.
cite-note-streminger-1111. â Gerhard Streminger: Gottes GĂŒte und die Ăbel der Welt. Das Theodizeeproblem. Mohr, TĂŒbingen 1992, ISBN 3-16-145889-3, S. 76.
cite-note-1212. â Bertrand Russell: Warum ich kein Christ bin. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985, ISBN 3-499-16685-2, S. 23.
cite-note-1313. â Norbert Hoerster: Die Frage nach Gott (= Beckâsche Reihe Wissen. Band 1635). Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-52805-8, S. 96.
cite-note-1414. â Norbert Hoerster (Hrsg.): Glaube und Vernunft. Texte zur Religionsphilosophie Philipp Reclam junior, Stuttgar 1988, ISBN 3-15-008059-2, S. 108.
cite-note-1515. â G. W. Leibniz: Die Theodizee. 1710, Hamburg 1968, S. 188; zitiert nach Gerhard Streminger: Gottes GĂŒte und die Ăbel der Welt. Mohr, TĂŒbingen 1992, ISBN 3-16-145889-3, S. 85.
cite-note-1616. â Gerhard Streminger: Gottes GĂŒte und die Ăbel der Welt. TĂŒbingen 1992, S. 93, 94 und 103.
cite-note-1717. â Gerhard Streminger: Gottes GĂŒte und die Ăbel der Welt. TĂŒbingen 1992, S. 96 und 98 f.
cite-note-1818. â Charles Taliaferro: Philosophy of Religion. The Stanford Encyclopedia of Philosophy.
cite-note-1919. â Armin Kreiner: Gott im Leid. Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente. Freiburg u. a. 2005, S. 236 ff.
cite-note-2020. â James R. Beebe: The Problem of Evil. The Stanford Encyclopedia of Philosophy.
cite-note-2121. â Martin Luther: Das schöne Confitemini an der Zahl der 118. Psalm (1530). In: Kurt Aland: Luther deutsch. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1954, Band 7, S. 308â415 (323, 324), entspricht S. 4940, 4942 der CD-ROM von Kurt Aland: Martin Luther. Gesammelte Werke, Berlin 2002.
cite-note-2222. â DBW 8 = Dietrich Bonhoeffer Werke. Band 8 (Band WE = Widerstand und Ergebung), hrsg. von Martin Kuske und Ilse Tödt, S. 30 f.
cite-note-2323. â Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen ĂŒber die Philosophie der Geschichte. Einleitung. Projekt Gutenberg-DE.
cite-note-2424. â Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen ĂŒber die Philosophie der Geschichte. Kapitel 51. Projekt Gutenberg-DE.
cite-note-2525. â Gedanken zum Theodizee-Problem. Auf: flucco.blogspot.com
cite-note-2626. â Karsten Huhn: Wie kann Gott das zulassen? In: Hartmut Jaeger, Joachim Pletsch: Leid â Tod â Trauer. Ein Wegweiser zur Hoffnung. Idea (Evangelische Allianz), Dillenburg 2005, S. 46â53.
cite-note-2727. â Menschen getroffen - Deutsche Lyrik. Abgerufen am 27. August 2025.
cite-note-klauskuehlwein-2828. â Klaus KĂŒhlwein: Schöpfung ohne Sinn? Gott und das Leid. Patmos, DĂŒsseldorf 2003, ISBN 3-491-77053-X, S. 68.
cite-note-2929. â Hans KĂŒng: Christ sein (= SĂ€mtliche Werke / Hans KĂŒng. Band 8). Herder, Freiburg 2016, ISBN 978-3-451-35208-9, S. 528.
cite-note-christ-sein-3030. â Hans KĂŒng: Christ sein. Freiburg 2016, S. 357.
cite-note-3131. â Armin Kreiner: Gott im Leid. Zur Stichhaltigkeit der Theodizee-Argumente. Freiburg u. a. 2005, S. 77.
cite-note-3232. â Wie kann Gott den Ukraine-Krieg zulassen? Stern online, abgerufen am 16. April 2022.
cite-note-3333. â Wie kann Gott den Ukraine-Krieg zulassen? Stern online, abgerufen am 16. April 2022.
cite-note-3434. â Norbert Hoerster: Die Frage nach Gott. MĂŒnchen 2005, S. 88.
cite-note-3535. â Eine kĂŒnstlerische Lösung versucht das 12. und 13. Jahrhundert dadurch, dass es widersprĂŒchliche Eigenschaften Gottes als seine Töchter sozusagen aus ihm herauszieht und vor seinem Angesicht diskutieren und sich einigen lĂ€sst. Vgl. Udo Kindermann: Zwischen Epos und Drama. Ein unbekannter Streit der Töchter Gottes. Erlangen 1987, ISBN 3-7896-0079-2.
cite-note-3636. â Bart D. Ehrman: Godâs Problem. How the Bible Fails to Answer Our Most Important Question â Why We Suffer. HarperOne, New York 2008, ISBN 978-1-61554-230-7, S. 55 (Benutzer-Ăbersetzung).
cite-note-3737. â Norbert Hoerster: Unlösbarkeit des Theodizee-Problems. (Memento vom 12. Mai 2012 im Internet Archive) (= Theologie und Philosophie, Vierteljahresschrift. [ThPh] 60. Jahrgang, Heft 3, 1985), S. 400â409.
cite-note-3838. â Bertrand Russell: Warum ich kein Christ bin. Reinbek bei Hamburg 1985, S. 40.
cite-note-3939. â John Leslie Mackie: Das Wunder des Theismus: Argumente fĂŒr und gegen die Existenz Gottes Reclam, Stuttgart 1985, ISBN 3-15-008075-4, S. 278.
cite-note-4040. â John Leslie Mackie: Das Wunder des Theismus: Argumente fĂŒr und gegen die Existenz Gottes Stuttgart 1985, S. 279.
cite-note-4141. â Hans Jonas: Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Eine jĂŒdische Stimme. (= Suhrkamp Taschenbuch. Band 1516). Frankfurt am Main 1987, zitiert In: Im Dialog. Band 4: Kirche und Synagoge, erarbeitet von Herbert Jochum. Kösel, MĂŒnchen 1996, S. 69.
cite-note-4242. â Michael Bachmann,: Gott der AllmĂ€chtige. Der Pantokrator der Bibel und die Theodizeediskussion. Herder, Freiburg 2019, ISBN 978-3-451-38068-6, S. bes. S. 112.
cite-note-4343. â M. Bachmann: Gott der AllmĂ€chtige. Der Pantokrator der Bibel und die Theodizeediskussion. Freiburg 2019, S. 191.
cite-note-4444. â M. Bachmann: Gott der AllmĂ€chtige. Der Pantokrator der Bibel und die Theodizeediskussion. Freiburg 2019, S. 192.
cite-note-4545. â Peter Knauer: Der Glaube kommt vom Hören. Ăkumenische Fundamentaltheologie. Styria, Graz / Wien / Köln 1978, S. 55 f.
cite-note-4646. â Norbert Hoerster: Die Frage nach Gott. MĂŒnchen 2005, S. 113.
cite-note-4747. â Joachim Kahl: Die Antwort des Atheismus. Auf der Website des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten e. V.
cite-note-4848. â John Leslie Mackie: Das Wunder des Theismus: Argumente fĂŒr und gegen die Existenz Gottes. Stuttgart 1985, S. 280.
cite-note-4949. â John Leslie Mackie: Das Wunder des Theismus: Argumente fĂŒr und gegen die Existenz Gottes. Stuttgart 1985, S. 402.
cite-note-5050. â Odo Marquard: Der angeklagte und der entlastete Mensch in der Philosophie des 18. Jahrhunderts. In: [Odo Marquard]: Abschied vom Prinzipiellen. Reclam, Stuttgart 1981, S. 39â66, hier S. 48.
cite-note-5151. â Raimund Smullyan: Das Tao ist Stille. KrĂŒger, Frankfurt am Main 1977, ISBN 3-8105-1858-1, S. 125.
cite-note-5252. â Gottfried Wilhelm Leibniz: Die Theodicee. Leipzig 1879 (französisch: Essais de ThĂ©odicĂ©e sur la bontĂ© de Dieu. Ăbersetzt von Julius Heinrich von Kirchmann).